Sehen wir uns zuerst die Großraumbüros und die Mehrpersonenbüros an. Hauptgründe für schlechte Raumakustik sind in vielen Projekten:
Hier ist es ratsam, die wichtigsten Schallausbreitungswege herauszufinden und genau dort wirksame Schallbarrieren (zur Abschirmung störender Schallwellen) oder Schallabsorber („fressen“ den Schall zum Frühstück) zu setzen.
Versuchen Sie einfach im ersten Schritt hinzuhören, über welche Pfade die kritischen Schallwellen an die problematischen Arbeitsplätze herankommen.
Im Vorstandsbereich bzw. in den Räumlichkeiten der Geschäftsleitung finden häufig vertrauliche Gespräche statt. Es ist ein absolutes No-Go, dass Gesprächsinhalte nach draußen in den Flurbereich oder in das Nachbarbüro gelangen! Hier sind sehr hohe Schalldämmungen der Trennelemente gefordert. Dementsprechend hochwertig sollte die akustische Ausführung der Trennwände und Türen sein.
Insbesondere mobile Trennwände weisen manchmal akustische Schwachstellen in den Randfugen und in den Trennfugen der Zwischenwände auf, durch die diskrete Gespräche im Nachbarraum mitgehört werden
können - hier ist bei der Planung und Umsetzung große Umsicht geboten.
Bezüglich Raumakustik sollte im Bereich der Geschäftsleitung eine perfekte Sprachverständlichkeit bei nicht zu starker Dämpfung der akustischen Raumantwort geplant werden, um der Stimme eine kräftige und lebendige Klangfarbe zu verleihen. Der Raum sollte eine große akustische Weite bei gleichzeitig angenehmer und klarer Gesprächsatmosphäre bereitstellen.
Telefon- und Videokonferenzen sollten jedenfalls den natürlichen Eindruck eines qualitativ hochwertigen Raumes vermitteln - das Gegenüber nimmt (insbesondere bei Videokonferenzen ohne Headset)
die raumakustische Qualität des Vorstandsbüros sehr genau wahr. In Kombination mit einer professionellen Videoqualität sorgt die gute raumakustische Qualität für perfekte Bedingungen zum guten
Gelingen von Telefongesprächen und Videokonferenzen.
Eine angemessene Ausstattung der Wände der Randbereiche der Raumdecke mit präzise auf den Raum abgestimmten Schallabsorbern wird empfohlen. Über den Gesprächspositionen sollte die Raumdecke
üblicherweise akustisch reflektierend sein um die Natürlichkeit der gesprochenen Worte zu gewährleisten.
Im Besprechungsraum bzw. Videokonferenzraum liegt das primäre Ziel darin, Sprache möglichst deutlich zu verstehen: hier kommen schädliche Schallreflexionen ebenfalls oft über große Fenster-, Wand- und Deckenflächen: die Stimmen der einzelnen sprechenden Personen werden mehrfach reflektiert und die Sprachverständlichkeit sinkt dramatisch.
Insbesondere bei Video- oder Telefonkonferenzen können die Worte „am anderen Ende der Leitung“ dann nurmehr undeutlich verstanden werden. Schlechte Sprachübertragung ist ein No-Go für professionelle Video-Calls!
Die Installation schallabsorbierender Elemente in bestimmten Bereichen der Fenster-, Wand- und Deckenflächen kann hier raumakustische Wunder bewirken. Auch akustisch wirksame Vorhänge
(Strömungswiderstand beachten) führen zu gut wahrnehmbaren Verbesserungen.
Eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für die richtige Platzierung und Dimensionierung der raumakustischen Elemente sind die verschiedenen Sitzordnungen und die wechselnden Personenzahlen im Meeting- und Konferenzraum.
Ähnliche Effekte wie den Besprechungsräumen führen in Schulungsräumen und in Vortragsräumen zur schlechten Lernbedingungen in den hinteren Reihen: Die Worte der vortragenden Person werden über die Seitenwände und über die Rückwand mehrfach reflektiert und als störendes Raumecho wahrgenommen.
Da das geistige Leistungsvermögen der meisten Menschen nicht uneingeschränkt groß ist, wird ein Großteil der Konzentration in das Verstehen der Worte investiert. Für das Verständnis des Inhalts bleibt dann leider nur mehr wenig Brain-Power über.
Die Installation schallabsorbierender Elemente an den Seitenwänden, an der Rückwand und in definierten Bereichen der Raumdecke sorgt oft für sehr positive Rückmeldungen der Raumnutzer.
Die Wand hinter der vortragenden Person sollte zur Verstärkung ihrer Stimme akustisch reflektierend sein. Damit soll es möglich werden, die Worte der sprechenden Person auf allen Plätzen des Schulungsraumes bis ganz nach hinten ohne große Mühe zu verstehen.
In Kreativ- und Innovationslandschaften, in Projektflächen sowie in Workshopräumen ist Ruhe und gleichzeitig hohe Sprachverständlichkeit gefragt. Hier ist eine dezente Ausstattung bestimmter Wand- und Deckenbereiche mit passenden Schallabsorbern oft der erste Schritt in Richtung höherer Kreativität und Freude am Entwickeln.
Zusätzlich können in den vorhandenen Möbeln Elemente zur Schallabsorption installiert werden. Damit wird der Eindruck verstärkt, sich „irgendwo draußen auf der Wiese oder im Wald“ zu befinden und eine natürliche, kreative Atmosphäre tritt verstärkt auf.
Noch ein Tipp: Gerade in Kreativbereichen ist Ruhe von fundamentaler Bedeutung - versuchen Sie, alle störenden Schallquellen zu orten und wenn möglich leise zu gestalten. Erst wenn die
Schallquellen nicht mehr ruhiger gestaltet werden können, installieren Sie an den hauptsächlichen Schallausbreitungswegen Schallbarrieren bzw. Schallabsorber.
Im Empfangsbereich (aber auch Lobby, Ordination, Arztpraxis) werden oft vertrauliche Gespräche geführt, deren Inhalt in der Umgebung nicht verstanden werden sollte.
Um die Diskretion der Gespräche zu verbessern, sollte im ersten Schritt die Sprachverständlichkeit zwischen den Besuchern und dem Empfangspersonal erhöht werden - durch die Integration von Schallbarrieren und schallabsorbierender Elemente in der Empfangszone.
Im zweiten Schritt ist es wesentlich, zwischen dem Empfangsbereich und potentiellen ZuhörerInnen raumakustische Dämpfungszonen zu schaffen, die den sich ausbreitenden Luftschall reduzieren - beispielsweise durch Installation von Schallschirmen und Schallabsorbern zwischen dem Empfangsbereich und dem Zuhörerbereich.
Damit wird es möglich, vertrauliche Gespräch genau am Meeting Point diskret zu führen und das Mithören dritter Personen deutlich zu reduzieren bzw. idealerweise vollständig zu unterbinden.
Im Bereich potentieller ZuhörerInnen können zur Minderung der Sprachwahrnehmung aus dem Empfangsbereich wirksame Maßnahmen zur akustischen Maskierung gesetzt werden. Beispiele dafür sind leise
Musik, ein plätschernder Brunnen, etc.. Die im Empfangsbereich gesprochenen Worte können dann aufgrund der Maskierungsgeräusche nicht mehr verstanden werden.
Bei der raumakustischen Planung von Coffee Points, Lounges und informellen Flächen sollte großes Augenmerk auf Gemütlichkeit und eine hohe Sprachverständlichkeit über kurze Distanzen gelegt werden. 2-4 Personen sollten sich gepflegt unterhalten können, ohne die anderen Menschen in der Umgebung zu stören und ohne selbst das Gefühl zu haben, andere Personen könnten dem Gespräch inhaltlich folgen.
Zur Steigerung der ruhigen Atmosphäre sollten zusätzlich zu den vorhandenen Schallbarrieren in verschiedenen Wand- und Deckenbereichen um die Meeting Points herum wirksame Elemente für die Sprachabsorption installiert werden. Damit bleiben die Gespräche in der kleinen Gruppe.
Gerade in Coffee Points sollte verstärkt darauf geachtet werden, dass die Betriebsgeräusche der Kaffeemaschinen, Geschirrspüler und Kühlgeräte möglichst gering gehalten werden. Bereits beim
Einkauf achten Sie bitte in erster Linie darauf, dass ausschließlich Geräte bestellt werden, die einen geringen Schallleistungspegel aufweisen.
Lokal in der Nähe der Küchengeräte angebrachte Schallabsorber können deren Betriebsgeräusche weiter verringern.
Die Mittagspause ist eine wichtige Phase zur Entspannung. Eine Personengruppe möchte sich entspannen, die andere Gruppe sich gemütlich austauschen. Deshalb sollte in Kantinen und Betriebsrestaurants auf eine möglichst gedämpfte raumakustische Atmosphäre gesetzt werden.
Die Installation schallabsorbierender Elemente über weite Bereiche (Wände, Decken) ist hier ein guter planerischer Ansatz.
Besonders wichtig ist auch die zurückhaltende Akustik der Betriebsgeräusche des Restaurants. Das Klimpern von Besteck und das Schlagen der Tablets bei der Speiseausgabe sowie die lästigen Kassengeräusche sollten durch die Installation breitbandige Absorber möglichst reduziert werden.
Bei der Auswahl der Kühlvitrinen und Kaffeemaschinen sollte auf möglichst geringe Schallleistungspegel geachtet werden. Akustische Absorptionsflächen in der nahen Umgebung technischer Geräte können deren störende Schallemissionen in die wesentlichen Ruhebereiche deutlich reduzieren.
Die raumakustische Ausstattung jenes Raumes, der als Home-Office eingerichtet ist, sollte eine hohe Sprachverständlichkeit für VideoCalls zur Verfügung stellen. Da es sich im Heimbüro oft um kleinere Raumvolumina handelt, können wenige, optimal positionierte Schallabsorber hinter, über und seitlich des Arbeitsplatzes zu vorteilhaften akustischen Raumqualitäten führen.
Achten Sie bei der Auswahl des Home-Office-Raumes auf eine gute Schalldämmung der Wände und der Türen in Richtung der umgebenden Räumlichkeiten. Informations- oder tonhaltige Geräusche aus anderen Bereichen der Wohnung sind ein No-Go bei Besprechungen: Stimmen und Tierlaute sowie die Geräusche von Haus- und Küchengeräten sollten nicht gehört werden.
Im Betriebskindergarten sollte ein deutliches Augenmerk einerseits auf die Schaffung kleinräumiger Ruhebereiche durch die Integration von wirksamen Schallbarrieren mit zusätzlicher schallabsorbierender Wirkung und andererseits auf großflächige Schallabsorption über bestimmte Wand- und Deckenbauteile gelegt werden.
In verschiedenen Normen und Richtlinien werden Höchstwerte für die Nachhallzeiten bzw. Mindestwerte für die Schallabsorptionsgrade ausgeführt. Die Einhaltung dieser Mindestanforderungen ist oft bereits die halbe raumakustische „Kindergartenmiete“.
Werden Schallabsorber, deren Schallabsorptinsgrade speziell auf Kinderstimmen ausgelegt sind, vorteilhaft an den Wänden und an den Raumdecken installiert, dann können die reflektierten, störenden
Schallwellen deutlich reduziert werden.
Die gedämpfte Akustik sorgt dafür, dass die Kinder nicht laut schreien müssen, um verstanden zu werden. Dies kann zu einer deutlichen Entlastung aller Beteiligten, d. h. sowohl der Kinder als
auch der PädagogInnen führen. Schallabsorption kann somit auch gesundheitlich wertvoll sein.
In Therapiebereichen ist es aus raumakustischer Sicht besonders wichtig, dass die Schalldämmung der Wände, der Glasflächen und der Verbindungstüren zwischen den Therapieräumen und dem Wartebereich möglichst hoch ist. Damit werden die Inhalte der im Therapieraum geführten Gespräche nicht in den Wartebereich weitergetragen.
Zusätzlich sollten im Therapieraum schallabsorbierende Flächen geschaffen werden, um eine gute Sprachverständlichkeit im Raum zu schaffen. In einem raumakustisch optimierten Therapieraum kann ruhiger gesprochen werden, die Behandlungsatmosphäre wird wesentlich entspannter, und die Unterhaltung wird nicht bis in den Wartebereich gehört, sondern bleibt ein Gespräch zwischen dem Therapeuten und dem Patienten.
Ganz allgemein gilt: Versuchen Sie in möglichst vielen Raumbereichen, alle störenden Hintergrundgeräusche zu reduzieren:
Beachten Sie, dass leise rauschende (nicht tonale!) Geräusche von PCs, Lüftungs- und Klimananlagen, etc. akustisch maskierend wirken können und die Sprachverständlichkeit im Großraumbüro über größere Strecken reduzieren - ein akustischer Vorteil! Hier eine angenehme Balance zu finden benötigt ein gutes akustisches "Fingerspitzengefühl".
Übrigens ist es manchmal aus raumakustischer Sicht sinnvoll, ganz bewusst angenehme Hintergrundgeräusche zur Maskierung einzuspielen. Beispielsweise kann ein leises Bachplätschern, „liebevoll“ gemischt mit Vogelgezwitscher oder leiser informationsfreier Musik den Arbeitsalltag mit einer Leichtigkeit untermalen und die Arbeitseffizienz deutlich steigern.
Auch der Einsatz von leise plätschernden Zimmerbrunnen ist manchmal ein guter Ansatz, um die akustische Atmosphäre bestimmter Bürobereiche deutlich zu verbessern. Einfach probehören.
Achtung: die Hintergrundgeräusche sollten wirklich dezent und auf keinen Fall zu lautstark eingesetzt werden! Fast wie in der Homöopathie. „Informationsfreiheit“ heißt die Devise, d. h. es
sollten keine sprachlichen oder gesanglichen Inhalte vermittelt werden. Ansonsten wandert die Aufmerksamkeit von der eigentlichen Arbeit weg.
Im Call-Center ist einerseits eine hohe Sprachverständlichkeit gefordert, andererseits sollten sich die MitarbeiterInnen nicht gegenseitig stören. Schaffen Sie zwischen den Arbeitsplätzen gute akustische Barrieren, damit gegenseitige Störungen der Telefonierenden minimiert werden.
Die Nachhallzeiten an den jeweiligen Arbeitsplätzen sollten so gestaltet werden, dass von den Seitenbereichen, von der Raumdecke und von der Rückwand lediglich geringe akustische Reflexionen
einwirken. Von vorne sollten dezente Schallreflexionen geplant werden, damit die eigene Stimme der Telefonierenden optimal und möglichst natürlich eingesetzt werden kann.
Gut funktionierende A/V-Räume benötigen erstens sehr hohe Schalldämmungen (landläufig Schallisolierungen genannt) in die Umgebung, damit Schritte und Stimmen aus dem übrigen Gebäude in nicht in den A/V-Raum gelangen können und in weiterer Folge die Aufnahme stören.
Auch die Türen und gegebenenfalls die Fenster müssen hohe Schalldämmmaße aufweisen. Achten Sie auf Türspalten (insbesondere in den Schwellenbereichen der Türen) - hier gibt es oft Schallübertragungen.
Die Raumakustik von A/V-Räumen sollte sehr trocken gestaltet werden, d.h. sehr niedrige Nachhallzeiten bis in den tieferen Frequenzbereich werden unsererseits in vielen Projekten empfohlen.
Achten Sie bei der Gestaltung der akustischen Absorber nicht nur auf die mittel- und hochfrequente Wirksamkeit, sondern insbesondere auf eine starke Absorption im tieffrequenten Bereich, damit Aufnahmen mit WOW-Effekt möglich werden.